Operation Desert Shield / Desert Storm

(Persian Gulf, 1990/91)

Am 2. August 1990 überfielen starke irakische Verbände das benachbarte Kuwait und besetzten innerhalb nur 12 Stunden das gesamte Land. Trotz einiger Vorwarnungen hatte die Weltgemeinschaft nicht mit einer solchen Aggression gerechnet. Unter Führung der USA beschloss die Freie Welt dem irakischen Diktator die Stirn zu bieten. Eine Koalition aus Streitkräfte unterschiedlichster Herkunft entstand und bemühte sich zunächst um den Schutz Saudi Arabiens vor einem drohenden weiteren Angriff. Dazu begann am 7. August die Operation Desert Shield, d.h. der Schutz Saudi Arabiens vor einer irakischen Invasion. Im Rahmen dieser Operation wurde unmittelbar nach der Invasion Kuwaits das regionale SEAL Detachment in Bahrain personell aufgestockt. Schon am 10. August trafen weitere 105 SEALs an Bord von Großraumtransportern der Air Force ein und bezogen einen Stützpunkt an der saudischen Küste südlich der Stadt Dhahran. Captain Raymond Smith übernahm das Kommando und errichtete aus Teilen der NSWG-1 die Naval Special Warfare Task Group Central, einer provisorischen Einheit, deren Personalbestand niemals wesentlich höher als etwa 250 SEALs, Bootsbesatzungen und Logistikpersonal umfasste. Insgesamt befanden sich vier reinrassige SEAL Züge von Team 1, Team 3 und Team 5 - mit einer Einsatzstärke von etwa 60 Mann - im Land. Der Rest verteilte sich auf eine Bootsgruppe des Special Boat Squadron 1 mit Highspeed- und Schlauchbooten, ein Detachment des SDV Team 1  mit ihren speziellen Miniunterseebooten und drei Teileinheiten mit den gerade neu in Dienst gestellten Fast Attack Vehicles. Für eine funktionierende Kommunikation stand weiterhin das Mobile Communications Support Team bereit.

Im Rahmen ihrer klassischen Verwendung waren vier zusätzliche SEAL Züge an Bord von Kriegsschiffen der US Navy im Golf und dem Mittelmeer unterwegs. Diese beteiligten sich während der verschiedenen Phasen des Golfkrieges an der Überwachung des Schiffsverkehrs. Sie stellten die Prisenkommandos und gingen mit Boarding Teams der Marines an Bord verdächtiger Schiffe. Dazu näherten sie sich den Schiffen entweder mit Booten und enterten auf oder sie seilten sich Hubschraubern direkt auf das Deck ab.

Angehörige des SEAL Team 6 befanden sich ebenfalls in der Golfregion. Sie standen für eine mögliche Befreiung des amerikanischen Botschaftspersonals bereit. Die amerikanische Botschaft in Kuwait, die sich nur wenige hundert Meter vom Wasser entfernt befindet, war nach dem Einmarsch von irakischen Truppen umstellt worden. Der Einsatz erübrigte sich dann jedoch als Saddam Hussein im Dezember 1990 die Geiseln frei ließ. Nach unbestätigten Berichten soll es auch Planspiele gegeben haben, nach denen das Team den Auftrag zur Liquidation von Saddam Hussein gehabt haben soll.

story_desertshield_map_iraqIn der Anfangsphase der Operation Desert Shield übernahmen die SEALs zunächst Überwachungsaufgaben und patrouillierten an der Nordgrenze des Landes bis sie von Angehörigen der 5th Special Forces Group abgelöst wurden. Danach bestand ihre Hauptaufgabe vor allem im Training der maritimen saudischen Sonderverbände. Dennoch führten die SEALs auch bereits vor Beginn des Landkrieges mehr als ein Dutzend gefährlicher Aufklärungsaufträge erfolgreich durch. Besonders in den Nachtstunden galt ihre Aufmerksamkeit jedoch der Überwachung der Küste, um eine Infiltration irakischer Sondereinheiten von See her zu verhindern. Mit besonders großen Gefahren verbunden war die Beteiligung der SEALs am Minenräumdienst, in dessen Rahmen aus Hubschraubern ins Wasser sprangen und dann Sprengladungen an den Objekten anbrachten. So konnten bei an die 100 solcher Einsätze mindestens 25 Seeminen zerstört werden.

Mit Beginn des Luftkrieges, der am 17. Januar 1991 auch den Beginn der Operation Desert Storm einläutete, kam es zu zunehmend offensiveren Einsätzen. Bereits vor dem Abschuss der ersten Cruise Missile hatten mehrere SEAL Trupps Kuwait und den Irak auf dem Luft- oder Seeweg infiltriert und versteckte Observationsposten eingerichtet, von denen aus sie nun mit ihren Laserzielgeräten die Ziele markierten.

story_desertshield_04Während des Luftkrieges waren die SEALs eine der aktivsten aller US Kampfeinheiten. Sie waren auch die ersten, die direkten Feindkontakt hatten und die ersten irakischen Kriegsgefangenen machten. Der Irak hatte einige Ölplattformen des vor der kuwaitischen Küste gelegenen Ölfelds von Dorah besetzt. Als am 18. Januar 1991 zwei amerikanische Hubschrauber von vier dieser Plattformen aus beschossen wurden, erwiderte die USS Nicholas das Feuer. Unterstützt von Kampfhubschraubern wurden die künstlichen Inseln sturmreif geschossen und anschließend von SEALs geentert. Nach einem heftigen Feuergefecht, bei dem insgesamt fünf Iraker getötet und weitere 23 gefangenen genommen wurden, konnte die Plattformen besetzt werden. Innerhalb der nächsten Tage enterten SEALs von Bord der USS Curts ein irakisches Schiff und nahmen dabei erneut 51 Iraker gefangen, 16 weitere Iraker gerieten beim Sturm eines Ölterminals in Gefangenschaft. Am 24. Januar kam es dann zum Gefecht um die Insel Quaruh. Diese wurde von den SEALs ohne eigene Verluste erobert, wobei dadurch erstmals besetztes saudiarabisches Territorium zurückerobert wurde. Während des Kampfes wurden 3 irakische Soldaten getötete und 29 gefangen genommen. Bereits am 23. Januar wurde auch ein amerikanischer Pilot, dessen F-16 abgestürzt war, aus dem Meer gerettet. Nur wenige Tage später entdeckte ein Navy Pilot beim Überflug der kleinen Insel Unm-Al-Maradim den im Sand mit Steinen ausgelegten Spruch : ”SOS WE SURRENDER”. Da man nicht wusste, ob die Ernst gemeint oder nur ein Trick war, schickte man zunächst die SEALs mit Sturmbooten und SDVs. Diese fanden jedoch lediglich verlassene Luftabwehrstellungen und Tonnen von Munition vor. Das Kriegsgerät wurde zerstörst und die Insel wurde von nachrückenden Marines besetzt.

story_desertshield_03So wie die SEALs den ersten Feindkontakt hatten, wurden sie auch in den ersten Bodenkampf des Krieges verwickelt. Ende Januar 1991, der Luftkrieg war bereits seit zwei Wochen im Gang, ging es einem Feuerteam der SEALs fast an den Kragen. Diese befanden sich in einem Beobachtungsposten in unmittelbarer Küstennähe südlich der kuwaitischen Grenze. Aus bis heute nicht genau geklärten Grund unternahm motorisierte irakischen Einheit plötzlich einen Vorstoß nach Süden und kam direkt auf die Stellung der SEALs zu. Gegen 22.00 Uhr vernahmen die SEALs plötzlich die Motorengeräusche eines Panzers, der sich in ihre Richtung bewegte und dann das Feuer eröffnete. Die Panzerbesatzung kannte jedoch offensichtlich nicht die genaue Position der SEALs, denn die ersten Geschosse verfehlten ihr Ziel deutlich. Da das Feuerteam jedoch keine Panzerabwehrwaffen hatte und lediglich mit Maschinengewehren und 40mm Granaten bewaffnet war, entschloss es sich zurückzuziehen. Ihr ersten Gedanke war dabei sich in alter Kampfschwimmermanier in Richtung Wasser abzusetzen. Doch dann entschied sich das Team für eine Flucht mit dem Humm-V nach Süden. Diese vier SEALs waren die letzten Amerikaner, die sich vor Beginn der Bodenoffensive aus dem kuwaitischen Grenzgebiet zurückzogen. Die motorisierte irakische Einheit wurde unterdessen von Erdkampfflugzeugen angegriffen und zog sich nach erheblichen Verlusten wieder hinter die Grenze zurück.

Die erfolgreichste Mission führten die SEALs jedoch in der Nacht vor Beginn der Bodenoffensive durch. In den Nachstunden des 23. Februar verließen zwei High Speed Boats den Marinestützpunkt Ras al Mishab in Saudi Arabien. An Bord befanden sich insgesamt 16 Mann des Foxtrot Platoon, SEAL Team 5 unter dem Kommando des jungen Navy Offiziers Lt. Tom Deitz. Ihr Ziel war die von irakischen Truppe besetzte und stark befestigte Küste Kuwaits. Gegen 22.00 Uhr stoppten die Besatzungen ca. 10 km vor der Küste die Motoren und ließen zwei Zodiac Schlauchboote zu Wasser. Mit diesen näherten sich ein Teil der Kampfschwimmer vorsichtig dem Ufer und stellten in knapp 500 Meter Entfernung die Außenbordmotoren ab. Sechs SEALs, inklusive Deitz, glitten ins Wasser, um die restliche Strecke in altbewährter Weise schwimmend zurückzulegen. Es war eine mondlose Nacht kurz vor 23.00 Uhr und das Wasser war eiskalt. In diesem Winter herrschte in der Golfregion die seit Jahrzehnten kälteste Winterzeit. Die Schwimmer trugen daher spezielle Neoprenschutzanzüge. Anstelle der üblichen Pressluftschwimmtauchgeräte (SCUBA) hatten sie nur kleine Notfallpressluftflaschen, die einen Taucher für 3 Minuten mit Sauerstoff versorgen konnten, dabei. Nachdem der Trupp den Strand eine Zeit lang mit Nachtsichtgeräten beobachtet und keine Gegner festgestellt hatte, ging man an Land. Jeder der sechs Schwimmer hatte neben einer Anzahl von Markierungsbojen auch eine 10 kg Mark 138 Sprengladung mit C4 Sprengstoff dabei. Diese wurden entlang des Strandes verteilt und mit Zeitzündern versehen. Anschließend kehrte der Trupp unbemerkt zu den Schlauchbooten und mit diesen zu den beiden wartenden Mutterbooten zurück.

story_desertshield_01Zeitgleich näherten sich nun zwei weitere High Speed Patrouillenboote bis auf drei Kilometer der Strandzone und begannen gegen 00.30 Uhr die gegnerischen Stellungen mit einem heftigen Dauerfeuer aus ihren Maschinenkanonen und 40mm Granat-Maschinenwaffen zu beschießen. Die aufgeschreckten Besatzungen der irakischen Bunker und Geschützstellungen mussten annehmen, dass dieser Angriff der Beginn der erwarteten Invasion sein musste. An Bord der US Kriegsschiffe im Golf befanden sich über 17000 Marines, die für eine amphibische Angriffslandung bereitstanden und die irakische Führung rechnete jederzeit mit deren Einsatz. Nun entdeckten die irakischen Posten auch noch zwei Reihen von Bojen, die vermutlich eine Gasse für die anrückenden Landungstruppen markieren sollten. Das völlige Chaos brach dann schließlich aus, als in kurzen Zeitabständen die von den SEALs im seichten Küstenwasser deponierten Sprengladungen explodierten. Die Feuerbälle der gewaltigen Detonationen tauchten den Küstenstreifen für einige Momente in taghelles Licht und die irakischen Soldaten begannen auf das Meer und den dortigen imaginären Feind hinauszuschießen.

Das irakische Oberkommando reagierte, wie von den Alliierten erhofft, und verlegte umgehend wesentliche Teile zweier Division in Richtung Küste, wo bereits erhebliche irakischen Kräfte gebunden waren. Erst vier Stunden später begann viel weiter westlich der Vorstoß der alliierten Bodentruppen. In einer gewaltigen Zangenbewegung drangen die Panzerverbände in den nahezu unverteidigten westlichen Irak ein. Bereits nach wenigen Tagen endete der Landkrieg mit einem vollständigen Sieg der Amerikaner und ihrer Verbündeter. Das von den SEALs durchgeführte Täuschungsmanöver war ein voller Erfolg und geradezu ein Musterbeispiel für die sinnvolle Verwendung dieser maritimen Spezialeinheit.

story_desertshield_02Damit war der Einsatz der SEALs aber noch nicht beendet. Sie bildeten auch gemeinsam mit den Green Berets der 5th Special Forces Group die Speerspitze bei der Einnahme von Kuwait City. Dabei kamen vor allen die neuen schnellen Desert Patrol Vehicles / Light Strike Vehicles (leichtes Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug) des SEAL Team 3 zum Einsatz. Diese speziell für den Wüsteneinsatz entwickelten geländegängigen Fahrzeuge eigneten sich wegen ihrer Schnelligkeit, Vielseitigkeit und Beweglichkeit im Wüstensand vorzüglich als Transportmittel für die Kampfschwimmer im Landeinsatz. Während der Großteil der Spezialeinheiten sich durch die Straßen von Kuwait City voran kämpften, wurden Teile des SEAL Team 6 mittels Hubschraubern eingeflogen und seilten sich direkt auf das Dach der amerikanischen Botschaft ab, um dieses zu sichern. Zur großen Überraschung der SEALs wehte dort bereits eine kleine amerikanische Flagge. Diese wurde angeblich bereits einen Tag zuvor von Force Recon Marines dort angebracht. Da der Schutz und die Bewachung amerikanischer Botschaften grundsätzlich den US Marines übertragen ist, ließen es sich die Marines der 1st Force Reconnaissance Company nicht nehmen die amerikanische Botschaft persönlich zurückzuerobern. Die 1st Marine Expeditionary Force (I MEF) hatte zwar die strikte Order erhalten nicht in Kuwait City einzurücken, allerdings hatte man nicht gesagt, dass dies auch für Force Recon gelte.

 

Mitte März 1991 kehrte die SEALs nach über einem halben Jahr im Einsatz in ihre Stützpunkte an der Westküste zurück. Während der 163 Tage von Desert Shield und der 42 Tage von Desert Storm hatten die SEALs über 270 Einsätze durchgeführt, wobei es auf ihrer Seite nicht einen Gefallenen gab.

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