Operation Earnest Will

Der Tankerkrieg

(Persischer Golf, 1987-1989)

story_earnest_will_mapNach dem Sturz des Schah übernahmen fundamentalistische Islamisten unter ihrem Führer Ayatollah Khomeini die Herrschaft im Iran. Saddam Hussein, der Führer des Irak, sah seine Machtstellung durch das neue Mullah-Regime gefährdet und startete am 12. September 1980 einen Angriffskrieg gegen seinen Nachbarn. Zunächst schien es, dass die besser ausgerüsteten und ausgebildeten irakischen Truppen einen schnellen Sieg erreichen würden. Doch nach anfänglichen Erfolgen geriet die Invasion ins Stocken. Der Irak setzte schließlich auch chemische Waffen gegen den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner ein. Dennoch gelang es keiner der beiden Kriegsparteien den Sieg zu erringen. Nicht nur durch den Einsatz chemischer Massenvernichtungsmitteln wurde der Konflikt schnell zu einem globalen Problem. Jeder der beiden Kriegsgegner versuchte auch den Ölexport des jeweils anderen Lahm zu legen, um diesen so von seiner wichtigsten Finanzeinnahmequelle abzuschneiden. In diesem so genannten Tankerkrieg griffen iranische Schnellboote ab dem Jahr 1986 in den internationalen Gewässern schließlich auch Öltanker an, die nicht unter irakische Flagge fuhren. Im Dezember 1986 ersuchte Kuwait die amerikanische Regierung offiziell um Hilfe und bat um Schutz seiner Tankerflotte. Ziel der Kuwaits war es elf seiner Tanker unter amerikanischer Flagge registrieren zu lassen, damit diese von Schiffen der US Navy eskortiert werden konnten. Am 10. März 1987 stimmte Präsident Reagan dieser Anfrage zu und die Operation Earnest Will wurde gestartet. Den US Schiffen gelang es jedoch nicht die Tanker wirksam vor Seeminen und den Angriffen der kleinen iranischen Schnellboote zu schützen. Im Juli 1987 bat der kommandierende Admiral schließlich um Unterstützung durch Special Operation Forces. Bereits im August wurden daher sechs Mark III Patrouillenboote mit Crews der Special Boot Unit 11 (SBU11) gemeinsam mit zwei SEAL Zügen in den Persischen Golf verlegt. Zur gleichen Zeit erhielten zwei MH-6 und vier AH-6 Helikopter des 160th Special Operations Aviation Regiments (SOAR) mit ihren Besatzungen den Marschbefehl in den Golf (Operation Prime Chance). Für die Einsatzkräfte wurden zwei Ölbarkassen, die Hercules und die Winbrown 7, angemietet. Diese dienten als schwimmende Stützpunkte und boten jeweils zehn kleinen Booten, drei Helikoptern und über 150 Mann mitsamt der benötigten Ausrüstung platzt. Bis zur Einsatzbereitschaft dieser beiden Basen im Oktober 1987 operierten die Sondereinheiten von Bord verschiedener Kriegsschiffe aus. Die Helikopter begannen am 8. August mit der Eskorte des bereits dritten Konvois seit Beginn der Operation Earnest Will ihren Einsatz. Die Patrouillenboote waren ab dem 9. September vor Ort und einsatzbereit.

 

story_earnest_will_02Bereits am Abend des 21. September kam es zum ersten Kampfeinsatz der Einsatzkräfte. Piloten der Task Force 160 entdeckten den iranischen Minenlegen Iran Ajr ohne Beleuchtung. Nachdem sich die Piloten des MH-6 vergewisserte hatten, dass das Schiff tatsächlich Minen ausgelegte, forderten sie zwei auf der USS Jairett stationierte AH-6 Angriffshelikopter an. Diese griffen den Minenlegen mit ihren Bordwaffen an, bis die Besatzung nach einem erfolglosen Fluchtversuch das Schiff schließlich aufgab. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages enterte ein SEAL Platoon, welches auf der USS Guadalcanal stationiert war, dann die Iran Ajr. Zwei Patrouillenboote sicherten die Aktion. Das Prisenkommando fand an Bord neben neun alten sowjetischen Seeminen auch Dokumente die belegten, dass die Iraner Minen in internationalen Gewässern verlegten. Durch Angehörige eines Force Recon Platoons wurden insgesamt 23 iranische Seeleute aus dem Meer gerettet, zehn befanden sich in einem Rettungsboot, dreizehn weitere Matrosen wurden direkt aus dem Wasser geborgen. Am 26. September wurde die Iran Ajr dann in tieferen Gewässern versenkt.

 

 

story_earnest_will_03Nachdem die beiden mobilen Einsatzbasen in Betrieb genommen worden waren, begannen die Einsatzkräfte direkt mit der intensiven Aufklärung und Überwachung des nördlichen Teil des Golfs. Die Stützpunkte der Iraner, die sich auf kleinen Inseln und verlassenen Ölplattformen befanden, wurden dadurch schnell entdeckt. Die iranischen Pasdaran griffen mit ihren kleinen Schnellbooten von dort aus die Handelsschiffe und Tanker überraschend an und zogen sich beim Auftreten westlicher Kriegsschiffe wieder blitzschnell zurück, während iranische Minenlegen im Schutze der Dunkelheit die Fahrwasser der Middle Shoals mit Seeminen verminten.

Aufgrund dieser Erkenntnisse patrouillierten in der Nacht des 8. Oktober drei Helikopter und zwei Patrouillenboote die Fahrwasser. Die drei AH/MH-6 Helikopter erreichten das Einsatzgebiet zuerst und wurden umgehend von drei iranischen Schiffen, welche in der Nähe ankerten, beschossen. Nach einem kurzen aber heftigem Feuergefecht wurden alle drei Schiffe durch die Helikopter versenkt. Durch die anschließend eintreffenden Patrouillenboote wurden fünf iranische Seemänner aus dem Meer gerettet.

 

 

story_earnest_will_04Neben den Seeminen tat sich eine neue Gefahr für den Seeverkehr auf: Am 16. Oktober wurde der unter amerikanischer Flagge fahrende Tanker Sea Isle City von einer iranischen HY-2 Silkorm Anti-Schiffsrakete getroffen. Der amerikanischen Kapitän und 17 weitere Besatzungsmitglieder wurden durch den Angriff verletzt. Als Vergeltung starteten die Amerikaner am 19. Oktober die Operation Nimble Archer. Vier amerikanische Zerstörer beschossen mit ihrer Schiffsartillerie zwei iranische Ölplattformen der Rostam Ölfelder. Anschließend enterte ein SEAL Platoon die sturmreif geschossenen Plattformen, kämpften den noch vorhandenen Widerstand nieder und durchsuchten dann die Stützpunkte. Um eine künftige Nutzung zu verhindern, vernichteten EOD-Teams dann die Anlagen durch Sprengung. Im Anschluss wurde noch eine dritte Plattform durch die SEALs geentert. Die jeweils gefunden Unterlagen und Funkgeräte dienten als Grundlage für zukünftige nachrichtendienstliche Auswertungen.

 

 

Nach Nimble Archer führten die Sondereinsatzverbände weiterhin reguläre Patrouillen von den beiden Stützpunkten Hercules und Wimbrown 7 aus durch. Im November trafen zwei MH-60 Blackhawk Helikopter ein. Sie dienten speziell für nächtliche Combat Search an Rescue (CSAR) Einsätze. Während die Operation Earnest Will weiterlief rotierten die SEALs in drei- bis viermonatigen Abständen. Manche kamen für eine zweite oder sogar dritte Tour zurück an den Persischen Golf. 1988 wurden die AR/MH-6 Helikopter und ihre Crews durch Einheiten der 2nd Armored Cavalry und ihren OH-58D Kiowa Helikoptern ersetzt.

 

story_earnest_will_01Am 14. April 1988 lief die US Fregatte Samuel b. Roberts (FFG-58) ca. 65 Meilen östlich von Bahrain auf eine Mine. Durch die Explosion wurde das Schiff stark beschädigt und zehn Seeleute verletzt. Die USA schlugen hart zurück. Am 18. April griffen US Truppen die iranische Fregatte Sahalan und mehrere Ölplattformen in den Sirri und Sassan Ölfeldern an. Während der Operation Praying Mantis wurde die Sirri Plattform dermaßen in Brand geschossen, dass das SEAL Team, welches die Plattform vom Hubschrauber aus entern sollte, aufgrund der starken Hitzeentwicklung nicht landen konnte. Die Plattform brach schließlich auseinander. Die Sassan Plattform dagegen konnte durch Angehörige des 4th Platoon, 2nd Force Recon Company eingenommen, durchsucht und anschließend zerstört werden.

Bei weiteren Gefechten wurden insgesamt zwei iranische Schiffe versenkt und fünf weitere beschädigt. Im nördlichen Golf feuerten die Iraner zwei Silkworm Raketen auf die beiden mobilen Stützpunkte, welche ihre Ziele allerdings verfehlten. Später am gleichen Tag versuchten dann iranische F-4 Jets und Patrouillenboote sich den beiden Stützpunkten zu nähern. Sie ließen jedoch von ihrem Vorhaben ab, nachdem die US Fregatte Gary ihr Gefechtsradar auf die vermeintlichen Angreifer aufgeschaltet hatte.

Nach diesen Ereignissen ließen dir iranischen Angriffe auf neutrale Schiffe drastisch nach. Am 18. Juli 1988 akzeptierte der Iran den Waffenstillstand der Vereinten Nationen, am 20. August 1988 war der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak offiziell beendet.

Während der 14 Monate der Operation Earnest Will hat die US Navy insgesamt 259 Schiffe in 127 Konvois begleitet.

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