Das MAGTF Konzept

Innerhalb des Marine Corps gibt es insgesamt vier unterschiedliche Formen einer Marine Air Ground Task Force (MAGTF), die sich hauptsächlich durch ihre Truppenstärke, Ausrüstung und Ausbildung unterscheiden:

Die Marine Exeditionary Force (MEF) ist die größte und stärkste MAGTF, die für den Einsatz im Rahmen eines größeren militärischen Konflikts gedacht ist und dementsprechend aufgebaut wird. Eine MEF besteht dabei aus einem oder mehreren Marine Luftgeschwadern, Logistik- und Unterstützungseinheiten und einer kompletten Infanteriedivision. Die Truppenstärke kann dabei je nach Mission zwischen 20.000 und 90.000 Mann variieren, wird aber in der Regel bei ca. 40.000 Mann liegen, wobei diese innerhalb von 30 Tagen einsatzbereit wären. Insgesamt gibt es drei MEFs: I MEF ist in Camp Pendleton, California; II MEF in Camp Lejeune, North Carolina und III MEF ist in Okinawa, Japan stationiert.

Die zweitgrößte MAGTF ist die Marine Expeditionary Brigade (MEB), mit einer Truppenstärke von 3000 bis 20.000, die innerhalb von 14 Tagen in jedem Teil der Erde eingesetzt werden können. Damit ist die MEB die bevorzugte Einheit, wenn es darum geht auf kleinere bis mittlere militärische Konflikte zu reagieren bzw. die Lage vor Ort zu stabilisieren bis weitere Kräfte nachrücken können. Jeder der drei MEFs ist jeweils eine MEB untergeordnet.

Dagegen ist eine Marine Expeditionary Unit (Special Operations Capable) oder kurz MEU(SOC) mit ihren 1500 bis 3000 Mann eine vergleichsweise kleine MAGTF. Dafür liegt ihre Einsatzbereitschaft bei unter sechs Stunden womit sie eine Art Schnell- bzw. Sofortreaktionstruppe des Marine Corps darstellt. Zur Zeit gibt es insgesamt sieben MEUs(SOC) von denen jeweils drei an der West- bzw. Ostküste der USA und eine auf Okinawa stationiert sind.

Die vierte Form einer MAGTF ist die Special Purpose Marine Air Ground Task Force (SPMAGTF), deren Größe und Ausstattung missionsspezifisch und deren Einsatz in der Regel zeitlich und räumlich eng begrenzt ist.

 

Marine Expeditionary Unit (Special Operations Capable)

Eine MEU(SOC) ist eine MAGTF auf der Basis eines verstärkten Schützenbataillons mit Spezialausbildung und spezieller Ausrüstung. Sie orientiert sich grundsätzlich an den Strukturen einer MAGTF und setzt sich dabei aus den vier folgenden Hauptelementen zusammen:

Command Element (CE) - Das Stabs- beziehungsweise Fürungselement in Kompaniestärke. Ihm ist auch eine Abteilung einer Force Recon Company zugeordnet, die damit direkt dem Kommandeur der MEU(SOC) unterstellt ist. Darüber hinaus steht dem Kommandeur unter der Bezeichnung Maritime Special Purpose Force (MSPF) noch eine spezielle Truppe zur Verfügung, die aufgabenspezifisch aus Teilen der MEU(SOC) gebildet wird und damit maßgeschneidert für bestimmte Missionen eingesetzt werden kann.

Ground Combat Element (GCE) - Das Bodenkampfelement ist praktisch ein verstärktes Schützenbataillon und wird in der Regel aus einem Battalion Landing Team (BLT) eines Marine Regiments gebildet. Zu erwähnen wären hier vor allem das Scout/Sniper Platoon und das Reconnaissance Platoon, welches jedoch nicht mit den Fernspäher einer Force Recon Company zu verwechseln ist und nur für die Vorfeldaufklärung des Bataillons zuständig ist.

Air Combat Element (ACE) - Das Luftkampfelement besteht aus einer verstärkten Medium Marine Helicopter Squadron mit einer Mischung aus CH-46 Sea Knights, CH-53E Super Stallions, AH-1W Cobras, UH-1N Iroquois und AV-8B Harrier II.

Combat Service Support Element (CSSE) - Das Gefechtsunterstützungselement hat etwa Kompaniestärke und ist für praktisch alles, angefangen von Versorgung über Technik, Transportwesen und Instandsetzung bis hin zum Sanitätsbereich, zuständig.

 

Maritime Special Purpose Force (MSPF)

Eine MSPF kann vom Kommandeur einer MEU(SOC) immer dann als Spezialkraft eingesetzt werden, wenn es gilt sehr schnell ganz spezielle Missionen zu erledigen. Sie kann entweder zur Ergänzung konventioneller Marineoperationen herangezogen werden oder aber eigenständige Spezialeinsätze ausführen. Eine MSPF ist dabei immer auf die Unterstützung (Logistik, Personal, usw.) ihrer MEU(SOC) angewiesen und kann nicht autark operieren. Die MSPF ist dabei ähnlich einer MEU(SOC) aufgebaut, wobei nicht immer alle Elemente tatsächlich vorhanden sein müssen

Command Element (CE) - Stabs- beziehungsweise Führungselement

Assault Element (AE) - Das Kampfelement ist der größte Teil einer MSPF und wird in der Regel von den Recon Marines gestellt. Diese können dabei, je nach Mission, Unterstützung  durch Scharfschützen, Bombenspezialisten oder ähnliche erhalten.

Reconnaissance and Surveillance (R&S) Element - Das Aufklärung- und Überwachungselement liefert die Scharfschützenunterstützung für das AE und setzt sich vor allem aus Scouts/Snipers des CGE zusammen, die von Funkern (Radio Recon Team) unterstützt werden.

Security Element - Das Sicherungselement sichert das Zielgebiet/-gebäude und gibt dem AE Deckung. Es besteht normalerweise aus einen speziell trainierten Zug des BLT und kann dabei auch durch SEALs unterstützt werden.

Naval Special Warfare Element - Für noch speziellere Aufgaben stehen dem Kommandeur ebenfalls SEALs oder SBUs zur Verfügung.

 

Marine Force Recon - Aufbau und Organisation

Im folgenden möchte ich einen kurzen Überblick darüber geben, wo sich Force Recon im Konzept der MAGTFs wieder finden lässt und wie die einzelnen Kompanien aufgebaut sind. Dabei sind die drei zur Zeit aktiven Einheiten jeweils einer MEF zugeordnet: Die 1st Force Recon Company gehört damit der I MEF (MARFORPAC) an und ist wie diese in Camp Pendleton, California stationiert. Die 2nd Force Recon Company gehört zur II MEF (MARFORLANT) und ist ebenfalls wie diese in Camp Lejeune, North Carolina untergebracht. Die dritte Einheit nimmt eine Sonderstellung ein, da es sich bei ihr nicht um eine vollständige Kompanie handelt, sondern lediglich um eine kleine Abteilung. Diese wird in einer Art Rotationsverfahren aus Angehörigen des 3. Aufklärungsbataillons, welches der 3. Marinedivision zugeordnet ist, gebildet. Dieses Force Recon Detachment ist dann direkt der III MEF unterstellt und in Camp S.D. Butcher auf Okinawa, Japan stationiert. In Zukunft soll aber auch hier eine komplette Kompanie aufgebaut werden. Weiterhin existieren noch zwei Reservekompanien, 3rd und 4th Force Recon, die der Marine Force Reserve (MarForRes) unterstehen und in Alabama bzw. auf Hawaii ansässig sind.

recon_companies

Vorab ist zu beachten, dass es innerhalb einer MAGTF zwei unterschiedliche Aufklärungseinheiten gibt, die man nicht verwechseln sollte. Ich habe diese bereits kurz beim Aufbau einer MEU(SOC) beschrieben möchte dies hier nochmals etwas vertiefen. Eine dieser Einheiten ist die Force Reconnaissance Company, während die andere das Battalion Recon Platoon ist, welches dem Kommandanten des Combat Element untersteht. Die Force Recon Company untersteht direkt dem kommandierenden General der MEF oder ist einem MEU(SOC) Kommandeur unterstellt und liefert diesen taktische und strategischen Aufklärung und führt (in begrenztem Umfang) auch Kampfaufträge wie GOPLAT, VBSS, Raids usw. aus, wobei alle diese Einsätze im tiefen Raum des Feindes stattfinden. Force Recon deckt damit das mögliche "Interessengebiet" seines Kommandeurs ab, d.h. ab der Reichweite seiner Geschütze bis weit dahinter. Die Battalion Recon Platoons decken dagegen den tatsächlichen "Einflussbereich" des Kommandeurs ab, indem sie innerhalb der Reichweite der Geschütze, maximal 30 km vor den eigenen Truppen, operieren. Die Recon Marine beider Einheiten durchlaufen zwar dieselbe Grundausbildung doch werden die Force Recon Marine bei weiten intensiver ausgebildet. So sind die wenigsten Battalion Recon Marines fallschirmsprung- oder tauchqualifiziert, was bei den Recon Marines selbstverständlich ist.

 

Die Force Reconnaissance Company

Seit 2002 sind die beiden Force Reconnaissance Companies vollständig eigenständige Kompanien. Auch wenn sie sich Kompanien nennen sind sie aufgebaut wie ein Bataillon. D.h. an der Spitze steht eine Stabsabteilung mit dem Führungspersonal, und den einzelnen Stabsbereichen Verwaltung, Nachrichten, Operationen, Logistik und Unterstützung, sowie Kommunikation. Dann folgen die insgesamt sechs operativen Züge (Platoons) der Kompanie. Jeder dieser sechs Züge wird von einem Zugführer (i.d.R. einem Captain) und seinem Führungsstab, bestehend aus seinem Stellvertreter(Staff Sergeant oder Gunnery Sergeant), einem Funker (ebenfalls Staff Sergeant oder Gunnery Sergeant), einem Sanitäter und einem Techniker, kommandiert. Der Zugführer ist auf dieser Ebene der einzige Offiziersrang, d.h. umgekehrt, dass bei den Force Recon Kompanien wesentlich mehr Unteroffiziere in Führungspositionen eingesetzt werden als bei konventionellen Einheiten.

Organisation_Recon_Company

Die restlichen Männer des Zuges sind dann auf insgesamt drei Teams mit jeweils sechs Männer aufgeteilt. Diese Sechs-Mann-Teams sind die kleinste taktische Einheit bei den Recon Marines, womit man vom alten Konzept der Vier-Mann-Teams abkam. Es stellte sich in den vergangenen Jahren heraus, dass die Ausrüstung (gerade bei Aufklärungsmissionen weit hinter den feindlichen Linien) immer umfangreicher wurde und von vier Männern kaum noch transportiert werden konnte. Weiterhin kann eine kleine Vierergruppe schnell Probleme bekommen, wenn eines oder sogar mehrere ihrer Mitglieder ausfallen. Ein solcher Ausfall kann durch die größere Sechsergruppe besser absorbiert werden, ohne das Scheitern der Mission zu riskieren.

Diese Teams sind ähnlich aufgebaut wie die bereits beschriebene SEALs-Patroullie und bestehen im einzelnen aus dem Recon Team Leader, dem Assistant Team Leader, dem Field Radio Operator, dem Recon Man, dem Recon/Scout und dem Recon Scout/Driver.

 

Point Man - An der Spitze eines Recon Teams bewegt sich (wie bei den SEALs) der Point Man. Er wird auch als Scout oder Recon Scout bezeichnet und besitzt meist den Rang eines Sergeants. Er führt die Patrouille an und ist für das Aufspüren des Feindes verantwortlich und unterstützt den Navigator.

 

Navigator - Nach dem Point Man folgt der Navigator, ebenfalls ein Sergeant, der für die Navigation verantwortlich ist und das Team zum Ziel führt. DerRecon Scout sucht die Routen aus und bespricht sich dabei mit dem Team Leader. Zusammen mit dem Point Man bildet er im Zielgebiet häufig ein Such- und Sprengteam bzw. ein Aufklärungs- und Überwachungsteam

 

Recon Team Leader - Der Führer eines Team ist in der Regel ein Staff Sergeant. Er ist für alles verantwortlich was das Team tut, für Erfolg oder Misserfolg der Mission. Er trifft alle wichtigen Entscheidungen: er plant die Marschrouten, bestimmt die Absetz- und Abholpunkte und arbeitet den Angriffs- bzw. Observationsplan aus. Selbst die Stelle des Team Leaders wird bei Force Recon regelmäßig von einem Unteroffiziersrang besetzt. Ein Offizier wird nur in Ausnahmefällen mit ins Feld gehen, z.B. bei kurzen Direct Action Einsätzen innerhalb eines MSPF Elements. Ansonsten überwacht der Zugführer die Missionen seiner Teams vom Hauptquartier aus und beauftrag seinen Stellvertreter mit deren Leitung vor Ort.

 

Primary Communicator - Der Field Radio Operator im Range eines Sergeants ist ein speziell ausgebildeter Kommunikationsexperte und für die gesamte Kommunikationsausrüstung des Teams verantwortlich. Er arbeitet und führt den Kommunikationsplan aus und trägt das Hauptfunkgerät des Teams.

 

Assistant Communicator - Unterstützt wird der Field Radio Operator durch einen zweiten Sergeant. Dieser Recon Man ist ebenfalls mit den Kommunikationssystemen des Teams vertraut und kann die Aufgaben des Hauptfunkers übernehmen, falls dieser ausfällt. Er trägt das Ersatzfunkgerät und weitere Ausrüstung wie Batterien und Ersatzteile.

 

Assistant Team Leader - Den Abschluss eines Teams bildet der Assistant Team Leader, ein Sergeant oder Staff Sergeant. Er ist in der Hierarchie der zweite Mann des Teams und damit die rechte Hand des Team Leaders. Er unterstützt seinen Team Leader bei der Führung des Teams und ersetzt diesen im Notfall. Gleichzeitig sichert er das Team nach hinten ab und sorgt dafür, dass niemand und nichts zurückbleibt. Er ist der Motor des Teams und "treibt dieses vor sich her".

 

Auftrag und Aufgaben - Actions at the Objective

Am häufigsten operiert Force Recon im Rahmen einer MEU(SOC), wo ein oder mehrere Platoons dem Command Element zugeordnet sind. Force Recon steht dabei unter direkter Kontrolle des MAGTF Kommandeurs und dient diesem als operative Einheit, die er jederzeit für Aufklärungs-, Überwachungs- oder Kampfeinsätze einsetzen kann.

Unter Aufklärung (Reconnaissance) versteht man dabei zum einen das Sammeln von Informationen über die Aktivitäten und Ressourcen des Feindes durch visuelle Observation oder andere Beobachtungsmethoden und zum anderen das Sammeln von Daten über meteorologische, hydrographische und geografische Besonderheiten eines bestimmten Gebietes.

Überwachung (Surveillance) dagegen bedeutet die systematischen Beobachtung von Orten, Gebieten, Personen oder Sachen im Luftraum, auf oder unter der Bodenoberfläche mittels visuellen, akustischen oder anderen technischen Hilfsmitteln.

Die Force Recon Marines sind dabei die Augen und Ohren des MAGTF Kommandeurs, sie sind direkt vor Ort am Boden und beobachten das Ziel mit ihren eigenen Augen. Damit versorgen sie den Kommandeur mit direkten Informationen aus der Tiefe des feindlichen Raums.

Die Aufgaben lassen sich dabei grob in zwei Bereiche unterteilen. Der eine Bereich stellt die so genannten Green Side Operationen dar, der andere Bereich deckt die so genannten Black Side Operationen ab.

 

Green Side Operationen

Unter den Green Side Operationen versteht man die bereits oben erwähnten Aufklärungs- und Überwachungseinsätze. Zu diesen zählen:

Pre-assault Reconnaissance - Diese Aufklärungseinsätze finden vor einem möglichen Kampf statt und dienen dazu Informationen über Stärke, Position und Aktivitäten des Feindes zu erhalten oder um mögliche Angriffsziele aufzuspüren und zu identifizieren.

Post-assault Reconnaissance - Nach einem Kampfeinsatz will man wissen welche Wirkung die eingesetzten Waffensysteme erzielt haben und ob die Ziele entsprechend zerstört wurden oder ob diese gegebenenfalls ein zweites Mal angegriffen werden müssen. 

Terrain Reconnaissance - Hierbei geht darum Informationen über die Infrastruktur eines bestimmten Einsatzgebietes zu erhalten. In welchem Zustand sind Brücken und Straßen? Gibt es bewohnte Gebiete und wenn ja, wie ist Bevölkerungsanzahl? Wo gibt es Landezonen für Hubschrauber oder Fallschirmspringer? Wo können amphibische Landungsfahrzeuge anlanden usw.?

Initial Terminal Guidance - Diese spezielle Wegaufklärung haben die Recon Marines von den Pathfinder geerbt, wobei es hier vor allem darum geht Landeplätze für Hubschrauber, amphibische Landungsfahrzeuge und Luftlandetruppen zu finden, diese zu sichern und die ankommenden Truppen einzuweisen.

 

Black Side Operationen

Die ursprüngliche Aufgabe der Force Reconnaissance Kompanien bestand und besteht zwar in der Durchführung der eben beschriebenen Green Side Operationen, doch sind sie auch durchaus in der Lage offensivere Aufträge auszuführen. Diese so genannten Direct Action Missionen stellen die bereits erwähnten zweiten Aufgabenbereich, die Black Side Operationen, dar:

Terminal Guidance Operations (TGO) - Eine neue immer häufigere Aufgabe bei der die Recon Marines vom Boden aus Ziele mittels Lasern anvisieren und damit Lenkwaffen und andere intelligente Bomben ins Ziel dirigieren. Zum ersten Mal wurde dies massiv während der Operation Desert Storm 1991 durch Marines des 7th Platoon, 1st Force Recon Company betrieben.

Tactical Recovery of Aircraft and Personnell (TRAP) - Diese Such- und Rettungsmaßnahmen unter Gefechtsbedingungen erstrecken sich hauptsächlich auf die Suche und Bergung von abgeschossenen Piloten, umfassen allerdings auch die Wiederbeschaffung bzw. Zerstörung verlorengegangener Unterlagen oder Geräte.

Non-Combatant Evacuation Operation (NEO) - Evakuierungsmaßnahmen im zivilen Bereich wie die Rettung von Touristen oder Botschaftspersonal aus einem Krisengebiet.

Visit, Board, Search and Seizure (VBSS) - Entern, Durchsuchen und Besetzen verdächtiger oder feindlicher Schiffe im Rahmen der Embargo-Kontrolle (Maritime Interdiction Operations). Dabei gehen Prisenkommandos an Bord verdächtiger Handelsschiffe und durchsuchen sie nach kriegswichtigen Gütern.

Gas & Oil Platforms Takedowns (GOPLAT) - Kaperung und/oder Zerstörung von Plattformen auf See. Marines des 4th Platoon, 2nd Force Recon Company waren 1988 maßgeblich daran beteiligt im so genannten Tankerkrieg vom Iran als Sensoren- und Waffenplattformen benutzte Bohrinseln zu zerstören.

Obwohl die Recon Marines hervorragend im Nahkampf (Close Quaters Battle, CQB) ausgebildet und trainiert sind, wurde ihnen eine Aufgabe in den letzten Jahren abgenommen. So fällt die Geiselbefreiung aus höchster Gefahr (In-Extremis Hostage Rescue, IHR) nicht mehr in der Aufgabenbereich der Force Reconnaissance Kompanien. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Marines nicht unter dem Kommando des US Special Operations Command (USSOCOM) stehen. Geiselbefreiung unterliegt ausschließlich den Einheiten des USSOCOM, wie der Delta Force oder der DEVGROUP (SEAL Team 6), was mit dem intensiven Trainingsaufwand begründet wird.

 

USMC SOCOM Detachment 1

USMC_SOCOM_DetachmentIm Gegensatz zu den SEALs der Navy sind die Force Recon Marines des USMC nicht dem Special Operations Command (SOCOM) unterstellt. Dies führte in der Vergangenheit zu einem gewissen Konkurrenzdenken zwischen den Einheiten, was sich letztendlich negativ auf gemeinsame Einsätze auswirkte. Immerhin ist das Wasser das beherrschende Element beider Einheiten und beide maritime Sondereinheiten besitzen das ziemlich gleiche Aufgabenspektrum. Deshalb wurde im Juni 2003 die Gründung des USMC Detachment 1 (Det-1) beschlossen, das in Zukunft ebenfalls dem gemeinsamen Spezialeinheiten-Oberkommando in Tampa, Florida unterstellt werden soll. Kommandeur des neuen maritimen Sondereinsatzverbandes wurde der bisherige Kommandeur der First Force Recon Marines, Oberst Robert Coates. Die bislang 86 Mann des Det-1 wurden vor allem aus den Angehörigen der Force Recon Kompanien rekrutiert. Das Detachment ist dabei wie folgt aufgebaut:

Force Reconnaissance Element - 30 Marines unter dem Kommando eines Majors, aufgeteilt in vier 6-Mann-Teams und eine kleine Stabsabteilung unter der Leitung eines Hauptmanns.

Intelligence Element - 26 Marines aus den Bereichen Informationsgewinnung bzw. -auswertung, Funkaufklärung, Planung usw.

Headquarters Element - 22 Marines unter Führung eines Majors, die für die Koordination der Unterstützungstruppen zuständig sind. So befinden sich in der Stabsabteilung Feuerleitoffiziere aus den Bereichen der Feld- und Seeartillerie, Funker sowie Vorfeldaufklärer für Luftunterstützung. Eine weitere Abteilung besteht aus Sanitätern (Corpsman) der Navy, die traditionell die medizinische Versorgung beim USMC gewährleisten.

Für alle Mitglieder des Det-1 gilt, dass sie zuvor mindestens 5 Jahre in einer der Force Reconnaissance Kompanien gedient haben müssen und dort überdurchschnittliche Beurteilungen erhalten haben.

Mit der Integration des USMC Detachment 1 in das SOCOM eröffnet sich dem USMC natürlich auch der Zugriff auf dessen großzügiges Forschungs- und Ausstattungsbudget. Erste Investitionen wurden bereits in die Anschaffung einer neuen Pistole getätigt. So erhielt die New Yorker Firma Kimber den Auftrag für 200 Pistolen. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Kimber Basis-Goverment mit 5"-Schlitten im Kaliber .45 ACP. Die Ausführung für das Det-1 erhielt jedoch einige Modifikationen wie STI-Handballensicherung, Novak-Tritium-Visier,  Simonich-Griffschalen, Magazin von Wilson Combat und Montageschiene von Dawson Precision für eine SureFire-Weißlichtlampe.

Das Training des Det-1 ist in zwei Phasen untergliedert. Die erste Phase findet in Camp Pendleton, Kalifornien statt und beinhaltet das übliche Trainingsprogramm. Während der zweiten Phase wechselt das Force Reconnaissance Element dann zum Naval Special Warfare Center nach Coronado, Kalifornien, wo es gemeinsam mit den SEALs trainiert. Nach Beendigung dieser beiden Ausbildungsphasen wird die Einheit dann dem SOCOM unterstellt und geht gemeinsam mit den SEALs auf eine sechsmonatige Operationstour.

Zur Zeit befinden sich die Marines des Det-1 in der zweiten Trainingsphase und sind in der neuen Naval Special Warfare Squadron One integriert. Im Herbst 2004 soll die Einheit dann dem SOCOM unterstellt werden und gemeinsam mit den SEALs an Operationen teilnehmen.

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