Fast 20 Jahre nach Einrichtung des Special Operations Command (USSOCOM), dem gemeinsamen Oberkommando der Sondereinsatzkräfte von Heer (Army), Luftwaffe (Air Force) und Marine (Navy) der US Streitkräfte, hat nun auch das US Marine Corps einen Sondereinsatzverband unter das gemeinsame Oberkommando gestellt. Unter der Bezeichnung Marine Special Operations Command (MARSOC) wurde der Verband am 24. Februar 2006 offiziell in Dienst gestellt. Das Hauptquartier befindet sich auf der Marine Corps Base Camp Lejeune im US-Bundesstaat North Carolina.
Als erstes Ergebnis dieser neuen Richtung wurde am 19. Juni 2003 das Marine Corps Special Operations Command Detachment One (MCSOCOM DET1) unter dem Kommando von Colonel Robert J. Coates, einem früheren Kommandeur der 1. Force Reconnaissance (Force Recon) Company, in Dienst gestellt. Die Einheit, bestehend aus 86 Soldaten, wurde im Camp Del Mar stationiert und sollte ein Pilotprojekt mit dem Ziel der dauerhaften Integration von Marines in das Special Operations Command sein.
Das Detachment aus 81 Marines und 5 Navy Hospital Corpsmen untergliederte sich dabei in vier Hauptelemente:
- Headquarters Element (Stab)
- Reconnaissance Element (Kampfeinheit)
- Intelligence Element (Nachrichtendienstliche Aufklärung)
- Fires Element (Feuerunterstützung)
Das Personal für die neue Einheit wurde aus über 500 Bewerbern ausgewählt. 24 Marines kamen direkt aus den Force Recon Kompanien und bildeten den Stamm des Reconnaissance Elements. Das restliche Personal kam aus allen Teilbereichen des Marine Corps aber für alle galt, dass sie dort überdurchschnittliche Beurteilungen erhalten haben mussten. Die fünf Sanitäter waren Corpsmen der Navy, die traditionell die medizinische Versorgung beim USMC gewährleisten.
Mit der Integration des Detachments in das SOCOM eröffnet sich dem USMC natürlich auch der Zugriff auf dessen großzügiges Forschungs- und Ausstattungsbudget. Eine der ersten Investitionen war die Anschaffung einer neuen Pistole. So erhielt die New Yorker Firma Kimber den Auftrag für 200 Pistolen. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Kimber Basis-Goverment mit 5"-Schlitten im Kaliber .45 ACP. Die Ausführung für das Detachment erhielt jedoch einige Modifikationen wie STI-Handballensicherung, Novak-Tritium-Visier, Simonich-Griffschalen, Magazin von Wilson Combat und Montageschiene von Dawson Precision für eine SureFire-Weißlichtlampe.
Das Training des Detachment wurde in zwei Phasen untergliedert. Die erste Phase fand in Camp Pendleton, Kalifornien statt und beinhaltete das übliche Trainingsprogramm. Während der zweiten Phase wechselte das Reconnaissance Element dann zum Naval Special Warfare Center nach Coronado, Kalifornien, wo es gemeinsam mit den SEALs des ST-1 trainierte. Da das USMC traditionell dem Department of the Navy untersteht, wurde auch das Detachment One dem Naval Special Operations Command unterstellt und ging im April 2004 gemeinsam mit dem Naval Special Warfare Squadron One auf eine sechsmonatige Operationstour in den Irak. Die Erfahrungen die dabei gemacht wurden flossen dann in die Planung für den Aufbau des neuen Marine Special Operations Command ein. Mit der offiziellen Aktivierung von MARSOC wurde das Personal des Detachment One in dieses übernommen und die Einheit selbst wieder aufgelöst.

Das US Marine Corps (USMC), welches schon immer eine exponierte Stellung innerhalb der US-Streitkräfte hatte, weigerte sich lange Marines unter das Kommando von USSOCOM zu stellen. Doch die Anschläge des 11. September 2001 und die damit verbundenen neuen Aufgaben des US-Milittärs, allen voran der Global War on Terror (GWOT), waren schließlich der Auslöser für ein Einlenken der Marines.
Der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verhandelte lange mit General Michael W. Hagee, dem damaligen Commandant of the Marine Corps, um die Marines dazu zu bewegen das USSOCOM bei den Aufgaben der Terrorbekämpfung mit Soldaten zu unterstützen.
Am 1. November 2005 gab Rumsfeld bekannt, dass ein Verband aus 2.600 hoch spezialisierten Marines gebildet werde, um das USSOCOM zu verstärken. Dies war das Ergebenis eines Treffens vom 28. Oktober 2005 zwischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Army General Bryan Brown, Kommandeur des Special Operations Command, und Marine General Michael W. Hague, Kommandeur des Marine Corps. Der neue Verband, das Marine Special Operations Command, sollte sich dabei aus fünf Komponenten zusammensetzen.
Die beiden größten der fünf Komponenten sollten die beiden Einsatzbataillone, die Marine Special Operations Battalions (MSOB) mit ihren Marine Special Operations Companies (MSOC), bilden.
Die dritte Komponente, die Foreign Military Training Unit (FMTU), sollte mit ihren beiden Kompanien primär für die Ausbildung verbündeter ausländischer Armeen zuständig sein und damit helfen die Special Forces der US Army zu entlasten.
Als vierte Komponente war schließlich die Marine Special Operations Support Group (MSOSG) geplant. Eine Kampfunterstützungseinheit für administrative Tätigkeiten, Nachrichtendienstanalyse und Logistik, sowie speziellem Personal wie Hundeführern, Sprengstoffexperten und Dolmetschern.
Außerdem, sollte eine neue Ausbildungsstätte, die Marine Special Operations School (MSOS), in Camp Lejeune gegründet werden, welche für die Rekrutierung, die Ausbildung, das Training und die Weiterentwicklung des neuen Verbandes verantwortlich sein sollte.
Am 24. Februar 2006 wurde dann das Marine Special Operations Command mit einer feierlichen Zeremonie in Camp Lejeune, N.C. offiziell in Dienst gestellt. Erster Kommandeur wurde Marine Brigadier General Dennis Hejlik, der bis dahin stellvertretender Kommandeur der I Marine Expeditionary Force (I MEF) gewesen war. Das Personal für seinen neuen Stab bezog General Hejlik dabei überwiegend aus der Stabseinheit der 4th Marine Expeditionary Brigade (Anti-Terrorism), welche an diesem Tage aufgelöst wurde. Auch die FMTU wechselte von der 4th MEB (AT) zu MARSOC. In der Folgezeit wurden dann aus den Einzatzzügen der Fernspähkompanien (Force Recon) die neuen Marine Special Operations Companies gebildet. Obwohl MARSOC erst im Oktober 2008 seine volle Einsatzbereitschaft erreichte, waren bereits seit August 2006 (also 6 Monate nach Gründung) einzelne Einheiten im weltweiten Einsatz. Bis dato befindet sich MARSOC in einer ständigen Umstrukturierung, um den Anforderung des SOCOM gerecht zu werden. So wurde bereits am 29. Mai 2007 die Foreign Military Training Unit in Marine Special Operations Advisor Group (MSOAG) umbenannt.

Im Jahr 2009 begann MARSOC mit einer weitreichenden Reorganisation. Die bis dahin durchgeführten Einsätze hatten gezeigt, dass MARSOC nicht im vollem Umfang den Anforderung des USSOCOM entsprechen kann. Die ursprüngliche Struktur von MARSOC war darauf ausgelegt ihre Marine Special Operations Companies als Bestandteil von Marine Expeditionary Units (Special Operations Capable) in den Einsatz zu schicken. Dies erwies sich jedoch als wenig praktikabel, da die MSOC häufig anderenorts von USSOCOM eingesetzt wurden und somit eigenständig operieren mussten. Dies bedeutete einerseits dass die MSOC ihrer MEU(SOC) nicht zur Verfügung stand und diese damit ihrer Special Operations Capable beraubt war und und andererseits dass die MSOC ihrerseits nicht mehr auf andere Einheiten der MEUS(SOC) zur Unterstützung zurückgreifen konnte. Also musste MARSOC dahingehend umstrukturiert werden, dass man als eigenständige Special Operations Task Force (SOTF) in den Einsatz gehen kann. Dazu wurden zunächst die beiden Marines Special Operations Advisor Companies A und B (MSOAC) der Marine Special Operations Advisor Group in das 3rd und 4th Marine Special Operations Battalion umgewandelt. Dann folgte die Umwandlung der Marine Special Operations Advisor Group in das Marine Special Operations Regiment (MSOR), welchem nun das 1st, 2nd und 3rd Marine Special Operations Battalion untergeordnet sind. Das 4th MSOB wurde in diesem Zuge aufgelöst, da das Personal zur Bildung des Regiments benötigt wurde. Das neu formierte Marine Special Operations Regiment dient als Stabseinheit für die nun drei Einsatzbataillone mit ihren jeweils vier Kompanien. Neben ihrer Rolle der "kämpfenden" Sondereinsatztruppe mit den klassischen Aufgaben Direct Action (DA), Special Reconnaissance (SR) und Counter Terrorism (CT) ist nun auch jedes Bataillon für Foreign Internal Defense (FID) zuständig. Im Jahr 2010 wurde dann noch das Marine Special Operations Intelligence Battalion (MSOIB) gegründet, um nachrichtendienstliche Unterstützung auf allen Ebenen zu gewährleisten.


Das Marine Special Operations Regiment (MSOR) besteht aus einer Stabskompanie und seinen drei Marine Special Operations Battalions (1st, 2nd und 3nd). Das Regimentshauptquartier hat seinen Sitz im Camp Lejeune, North Carolina.
Am 26. Oktober 2006 wurden das 1st Marine Special Operations Battalion, sowie die ersten beiden seiner mittlerweile vier Einsatzkompanien in Dienst gestellt. Stationiert sind die Einheiten in Camp Pendleton, Kalifornien. Gleichzeitig mit deren Aktivierung wurde die dortige 1st Force Reconnaissance Company aufgelöst und teilweise in das neue Bataillon übernommen. Drei Einsatzzüge (Platoons) der ehemaligen 1st Force Recon Co. bildeten dabei den Grundstock für das Personal der beiden ersten Marine Special Operations Companies, die beiden restlichen Einsatzzüge wurden dem 1st Reconnaissance Battalion zugewiesen.

Bereits am 15. Mai 2006 war das 2nd Marine Special Operations Battalion mit Sitz in Camp Lejeune, N.C. aktiviert worden. Auch hier ging mit dessen Aktivierung eine Auflösung, in diesem Fall die der 2nd Force Reconnaissance Company, einher. Aus dem Personal der 2nd Force Recon Co. wurden entsprechend die ersten beiden Marine Special Operations Companies der mittlerweile vier gebildet.

Das 3rd Marine Special Operations Battalion entstand Anfang 2009 aus der Umwandlung der Company A der damaligen Marine Special Operations Advisor Group in ein Bataillon. Zunächst nahm das Bataillon, welches in Camp Lejeune stationiert blieb, noch weiter seine ursprüngliche Aufgabe der Militärberatung (Foreign Internal Defense) war. D.h. die Beratung, die Ausbildung und das Training des Militärs verbündeter oder befreundeter Staaten und die Unkonventionelle Kampfführung, d.h. das Training, die Ausrüstung und die Führung von Partisanengruppen hinter den feindlichen Linien. Erst seit der Umwandlung der Marine Special Operations Advisor Group in das Marine Special Operations Regiment werden alle Aufgaben von allen drei Bataillonen gleichermaßen wahrgenommen.
Die Marine Special Operations Support Group in Camp Lejeune ist eine Kampfunterstützungseinheit und stellt mit ihren ca. 400 Marines das Personal für administrative Tätigkeiten, Nachrichtendienstanalyse und Logistik. Weiterhin hält die Einheit Fachpersonal wie Hundeführer, Sprengstoffexperten und Dolmetschern bereit, die bei entsprechendem Bedarf den Marine Special Operations Companies zugeordnet werden können.
Die jüngste Einheit innerhalb des Marine Special Operations Command ist das am 1. Januar 2010 in Dienst gestellte Marine Special Operations Intellegence Battalion (MSOIB). Es hat die Aufgabe den Verband auf allen Ebenen nachrichtendienstlich zu unterstützen.
Um entsprechendes Personal für all diese Aufgaben ausbilden zu können, wurde außerdem die Marine Special Operations School in Camp Lejeune gegründet. Diese ist damit für die Rekrutierung, die Ausbildung, das Training und die Weiterentwicklung des Verbandes zuständig. Das notwendige Personal wird dabei aus allen Teilbereichen des Marine Corps rekrutiert, wogegen das erste MARSOC Personal vornehmlich aus der ebenfalls deaktivierten 4th Marine Expeditionary Brigade (Anti-Terror) stammte.